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Ein Beitrag von Lena Griesser

Social Impact Bonds (SIB) oder soziale Wirkungskredite (SWK) haben sich nach der ersten Umsetzung im Jahr 2010 in Peterborough (Groß Britannien) im angelsächsischen Raum als eine Möglichkeit zur Finanzierung von sozialen Projekten etabliert und wurden bereits in einigen Projekten umgesetzt. Die Idee besteht im Wesentlichen darin, dass soziale Leistungen durch private Investoren vorfinanziert und – allerdings nur im Falle des Erfolgs der Maßnahme – von der öffentlichen Hand zurückbezahlt werden. In Kontinentaleuropa kam das Finanzinstrument bislang, mit Ausnahme der Niederlande, nur selten zur Anwendung. Auch in Österreich wurde bis dato nur ein Social Impact Bond realisiert. Wie hängt die verhaltene Ausbreitung dieses Finanzinstrument mit finanzkulturellen Rahmenbedingungen zusammen?

Social Impact Investing 

Aktuell wird das Thema ESG (Environment, Social, Governance) immer wichtiger sowohl für institutionelle Investoren, aber vermehrt auch für private Anlegerinnen und Anleger. Zurzeit steht oft allerdings noch das „E“, also der Umweltschutz, im Mittelpunkt. Themen der Unternehmensführung sowie soziale Kriterien befinden sich aktuell seltener im Blickfeld. Zukünftig könnte jedoch auch der Stellenwert der sozialen Komponente eines Investments wachsen. Social Impact Bonds könnten Teil dieser Entwicklung sein. Bisher wurde das Thema in der Forschung vor allem als Teil von Social Business betrachtet und aus der Sicht der sozialen Ziele beschrieben. Als Investmentmöglichkeit wurde das Thema kaum untersucht.

Social Impact Bonds
Screenshot SIB-Database Europa (Credits: https://sibdatabase.socialfinance.org.uk)
Screenshot SIB-Database Europa (Credits: https://sibdatabase.socialfinance.org.uk)

Um die Ausgangsfrage nach der zögerlichen Etablierung von Social Impact Bonds beantworten zu können, muss man zuerst die beiden Hauptkomponenten – Social Impact Bonds und Finanzkultur – näher betrachten. Wie funktionieren Social Impact Bonds und was ist mit Finanzkultur genau gemeint? Aus Investorensicht können Social Impact Bonds als ein Instrument, das sich zwischen Rendite bringendem Investment und Philanthropie bewegt, beschrieben werden. Für soziale Ziele bedeutet das Finanzinstrument eine neue Möglichkeit zur Umsetzung von Projekten. Diese Projekte werden, vertraglich definiert, von Investoren vorfinanziert – bisher wird diese Aufgabe hauptsächliche von Stiftungen übernommen. Nur bei Erfüllung der Zielkriterien wird das Investment zuzüglich Rendite zurückerstattet (von Schnurbein et al., 2015, S. 8).

Die britische NGO Social Finance zählt in ihrer interaktiven SIB-Datenbank bisher 138 Social Impact Bonds auf sechs Kontinenten mit einer Gesamtinvestitionssumme von 441 Millionen Dollar. Knapp ein Drittel der Projekte (44), die dadurch finanziert wurden, lässt sich dem Bereich der Arbeitskräfteentwicklung zuordnen. Obdachlosigkeit bzw. Wohnraum (23), Gesundheit (22) und Kinder- und Familienwohlfahrt (20) sind weitere Schwerpunkte.

Finanzmarktkultur als Treiber?

Ein Blick auf die die geografische Verteilung der umgesetzten Social Impact Bonds lässt einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Social Impact Bonds und der Börsenaffinität eines Landes vermuten. In Europa fallen neben Großbritannien, wo Social Impact Bonds ihren Ausgang hatten, vor allem die Niederlande mit einer Vielzahl von Social Impact Bonds auf. Österreich zeigt sich eher verhalten. Sieht man sich die Aktionärskultur dieser beiden Länder an, fällt eine Parallele zur Ausbreitung von Social Impact Bonds auf. Während in Österreich nur ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung Aktien besitzen, weist das Beneluxland eine Aktionärsquote von ungefähr 30 Prozent auf.  Ist eine stärkere Börsenkultur also ein besserer Nährboden für die Etablierung von Finanzinstrumenten wie Social Impact Bonds? Ein wissenschaftlicher Beweis dafür ist noch ausständig. Die Beobachtung wirft aber zumindest die Frage auf, wie sich finanzkulturelle Rahmenbedingungen letztlich auf die sozialen Strukturen eines Landes auswirken können.


Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung “Forschungslabor” des Master Studiengang Digital Business Communications (ehemals Wirtschafts- und Finanzkommunikation) an der FH St. Pölten, in der Studierende aktuelle Themen der Finanzkommunikation und Finanzwelt beforschen.


Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Studiums des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Digital Business Communications an der FH St. Pölten, mit den Schwerpunkten Corporate & Sustainability Communications, Investor Relations und Digital Reporting. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an die Studiengangsleiterin Monika Kovarova-Simecek.



Bildquelle: © VisionPic.net – pexels.com

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