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Doris Gstatter (CEO von IR & mehr) im Gespräch mit Monika Kovarova-Simecek (Studiengangsleiterin des Master-Studiengangs Digital Business Communications):

Sie sind seit einigen Jahren in der Finanzkommunikation tätig. Wie kam es dazu? Was begeistert Sie als studierte Soziologin an diesem Thema?

Ich habe im Anschluss an meine wirtschaftliche Ausbildung Soziologie und Publizistik studiert. Wenn man diese drei Komponenten addiert, ist die Finanzkommunikation schon eines der möglichen Ergebnisse. Ich bin jetzt seit 20 Jahren in diesem Bereich tätig. Von Anfang an war es der Wunsch, gegenseitiges Verständnis zu schaffen: Verständnis der Stakeholder für die relevanten Themen der Unternehmen und umgekehrt. Nur so funktioniert unsere Gesellschaft und die Wirtschaft. Dazu braucht es gute Kommunikation.

Ich sehe jegliches Verhalten einzelner Personen oder von Gruppen als Teil des größeren Ganzen. Das Umfeld – die Märkte – miteinzubeziehen und Reaktionen möglichst zu antizipieren, ist unglaublich spannend. Es setzt voraus, dass ich die Stakeholder kenne, ihre Interessen und Bedürfnisse verstehe und ihre Sprache spreche.

Sie haben sich unter anderem auf das Schreiben von Geschäftsberichten spezialisiert und erhielten für ihre Arbeit bereits mehrere Auszeichnungen. Was macht einen guten Geschäftsbericht aus?

Der Geschäftsbericht ist nur ein Bestandteil der gesamten Finanzkommunikation. Er muss den Spagat zwischen dem vorgeschriebenen Vergangenheits-Reporting und den wesentlichen Themen der Gegenwart und Zukunft schaffen, eine runde Geschichte erzählen und Interesse wecken.

Die Berichte umfassen inzwischen gut 200, 300 Seiten. Umso wichtiger ist es, dass der Bericht transparent, klar und in sich konsistent ist. Die großen Stellschrauben sind das Konzept, die Inhaltsstruktur und die Sprache.

Inwiefern beeinflusst die Digitalisierung Investor Relations und die Finanzberichterstattung?

Die Digitalisierung beeinflusst unser gesamtes Leben. IR und Finanzreporting sind davon nicht ausgenommen. Zahlreiche neue Tools wurden und werden entwickelt, eingesetzt und ausprobiert. Die Praxis wird zeigen, was davon tatsächlich Mehrwert generiert und bleibt. Letztlich geht es nicht um das technologisch Machbare, sondern um das menschlich Sinnvolle.

Wie sehen Sie diese Entwicklungen? Sehen Sie nur Chancen oder nehmen Sie auch Risiken wahr?

Weiterentwicklung ist immer positiv. Ich zähle aber bestimmt zu den kritischen Betrachter*innen, die sich mit neuen Themen auseinandersetzen und eine eigene Meinung bilden.

Der Mensch muss immer wichtiger sein als die Maschine, die ja auch nur von Menschen programmiert und kein objektives Allheilmittel ist. Wir alle schätzen neue Möglichkeiten, Vereinfachung und Effizienzgewinne. Die Frage ist, inwieweit wir unser Leben von digitalen Hilfsmitteln bestimmen lassen.

Welche Ausbildungsschwerpunkte sollte man mitbringen für die Tätigkeit in Investor Relations?

IR ist ein spannendes Nischenfach, weil es so vielschichtig ist. Es braucht eine gute Wissensmischung aus unterschiedlichen Zutaten wie Rechnungslegung und Analyse, Volkswirtschaft, Kapitalmarkt-Know-how und Recht. Ein gewisses Kommunikationstalent und analytisches Denken sehe ich als Grundvoraussetzung. Alles andere kann man erlernen.

Bildquelle: © Foto Wilke

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